Goslar: Lebens- und liebenswertes Weltkulturerbe
Die Geschichte Goslars beginnt im Jahr 922, als Sachsenkönig Heinrich I. ein Jagdlager an einem kleinen Bach mit dem Namen Gose einrichten läßt. Aus dem „Lager an der Gose“ entsteht in der Folge über den Namen "Goslarie" der heutige Name der Stadt.
Seine große Bedeutung erhält Goslar um 968, als unter Kaiser Otto I., im Rammelsberg große Silbererzlager entdeckt werden. Da seinerzeit nur der Adel das Recht hat, aus Edelmetall Münzen zu prägen und damit die Staatskasse zu füllen, wendet sich das Interesse der gekrönten Häupter sehr schnell in Richtung Harz. Sachsenkaiser Heinrich II. läßt bereits um 1005 ein kleines Kaiserhaus erbauen und lädt zu ersten Reichsversammlungen ein. Unter dem Franken Konrad II. beginnt der Bau der heutigen Kaiserpfalz, die schließlich von Kaiser Heinrich III. fertiggestellt wird. In der Folgezeit wird in Goslar deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Die Stadt wird schnell zu einem wichtigen Regierungszentrum des Reiches und die Pfalz zum Lieblingssitz der fränkischen Kaiser. Fast alle Repräsentanten von Adel und Kirche treffen sich hier über zwei Jahrhunderte lang regelmäßig, um für das Reich wichtige Beschlüsse zu fassen. Heute ist diese Pfalz das größte und am besten erhaltene weltliche Gebäude nördlich der Alpen aus der Zeit des hohen Mittelalters.
Wegen Goslar tragen der Hohenstaufenkaiser Friedrich I. (Kaiser Rotbart) und der Welfenherzog Heinrich (der Löwe) ihren Machtkampf aus. Dabei geht es um die Silbergruben des Rammelsberges. Auch im Laufe der folgenden Jahrhunderte versuchen die Welfen immer wieder, an die Edelmetalle der inzwischen unter dem persönlichen Schutz des Kaisers stehenden „reichsunmittelbaren“ Stadt zu kommen, was ihnen nach der Reformationszeit auch gelungen ist.
Das Wasserproblem begleitet den Bergbau über die Jahrhunderte und leitet immer wieder Phasen des Niedergangs ein. Doch die Stadtväter vertrauen dem Fortschritt. Man treibt mehrere Stollen aus dem Berg, um die Erzlager weiter abbauen zu können und begründet damit den großen Reichtum der Stadt. Im Volksmund ist Goslar das „Rom des Nordens“, es hat nicht weniger als siebenundvierzig Kirchen, Klöster und Kapellen sowie eine kraftstrotzende Wehranlage mit 186 Verteidigungstürmen, eingebettet in einen mehrfachen Befestigungsring. Einige davon sind heute noch zu sehen, so zum Beispiel der „Dicke Zwinger“, der mit seinen sechs Meter dicken Mauern zu den gewaltigsten gehört, weil aus ihm heraus die Südflanke der Stadt und die Erztranporte aus dem Rammelsberg gesichert werden mussten. Warum man die Stadt mit seiner so aufwändigen Wehranlage schützen musste, liegt auf der Hand: Als klassische Stadt des aufblühenden Bürgertums treibt man in der ganzen Welt Handel mit den Erzprodukten aus dem Rammelsberg und hat deshalb auch eine Menge zu verlieren.
Ende des 18. Jahrhunderts kommt der Erzbergbau wieder einmal zum Erliegen, und die Stadt verarmt nicht nur, sie gerät fast völlig in Vergessenheit. Große Kirchenbauten, unter anderem die Stiftskirche St. Simon und St. Judas werden auf Abbruch verkauft, und die Stadtmauer muß zum großen Teil niedergelegt werden. Einem glücklichen Umstand haben wir es zu verdanken, daß das Königreich Hannover die Kaiserpfalz kauft und sich verpflichtet, die dringend notwendigen Renovierungsmaßnahmen durchzuführen.
Die Hohenzollern sind es schließlich, die im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts dafür sorgen, daß die Kaiserpfalz wieder völlig hergestellt wird. Der Reichssaal erhält vom Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie Hermann Wislicenus eine monumentale Wandbemalung mit wichtigen geschichtlichen Ereignissen aus der Zeit der Sachsen-, Franken- und Hohenstaufenkaiser. Heute ist die „aula regis“ Tagungs-, Empfangs- und Konzertsaal, etwa für den jährlich stattfindenden „Deutschen Verkehrsgerichtstag“ oder dem berühmten „Goslarer Pankett“.
Von den Kriegswirren blieb Goslar zum Glück verschont und so blieben uns Hunderte von Fachwerkhäusern aus der Zeit der Gotik, der Renaissance und des Barock erhalten. Von den Besitzern in liebevoller Arbeit sehr kostenaufwändig renoviert und das Fachwerk wieder wunderschön bemalt, sind sie lebendige Zeitzeugen einer mittelalterlichen Stadt, die bis zum heutigen Tag nichts von ihrem Reiz verloren hat.
Als im Jahr 1988 die Erzgruben des Rammelsberges nach über eintausendjährigem Betrieb ihre Förderung einstellen, geht in Goslar eine große Epoche des deutschen Bergbaus zu Ende.
Seit 1994 ist man stolz auf das von der UNESCO verliehene Prädikat „Weltkulturerbe“, das nicht nur die Anlagen des bereits mehrfach erwähnten Rammelsberges, sondern auch die gesamte Altstadt mit umfaßt. Wenn Goslar die besondere Zuneigung des Kaisers inzwischen auch nicht mehr genießt, ist die Verpflichtung der UNESCO, und somit der gesamten Menschheit, sich stets für den Erhalt dieser Stadt einzusetzen, hoffentlich noch lange ein Garant für den Schutz dieses Kleinods hochmittelalterlicher deutscher Baukunst.
Dieter Freesemann
Seine große Bedeutung erhält Goslar um 968, als unter Kaiser Otto I., im Rammelsberg große Silbererzlager entdeckt werden. Da seinerzeit nur der Adel das Recht hat, aus Edelmetall Münzen zu prägen und damit die Staatskasse zu füllen, wendet sich das Interesse der gekrönten Häupter sehr schnell in Richtung Harz. Sachsenkaiser Heinrich II. läßt bereits um 1005 ein kleines Kaiserhaus erbauen und lädt zu ersten Reichsversammlungen ein. Unter dem Franken Konrad II. beginnt der Bau der heutigen Kaiserpfalz, die schließlich von Kaiser Heinrich III. fertiggestellt wird. In der Folgezeit wird in Goslar deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Die Stadt wird schnell zu einem wichtigen Regierungszentrum des Reiches und die Pfalz zum Lieblingssitz der fränkischen Kaiser. Fast alle Repräsentanten von Adel und Kirche treffen sich hier über zwei Jahrhunderte lang regelmäßig, um für das Reich wichtige Beschlüsse zu fassen. Heute ist diese Pfalz das größte und am besten erhaltene weltliche Gebäude nördlich der Alpen aus der Zeit des hohen Mittelalters.
Wegen Goslar tragen der Hohenstaufenkaiser Friedrich I. (Kaiser Rotbart) und der Welfenherzog Heinrich (der Löwe) ihren Machtkampf aus. Dabei geht es um die Silbergruben des Rammelsberges. Auch im Laufe der folgenden Jahrhunderte versuchen die Welfen immer wieder, an die Edelmetalle der inzwischen unter dem persönlichen Schutz des Kaisers stehenden „reichsunmittelbaren“ Stadt zu kommen, was ihnen nach der Reformationszeit auch gelungen ist.
Das Wasserproblem begleitet den Bergbau über die Jahrhunderte und leitet immer wieder Phasen des Niedergangs ein. Doch die Stadtväter vertrauen dem Fortschritt. Man treibt mehrere Stollen aus dem Berg, um die Erzlager weiter abbauen zu können und begründet damit den großen Reichtum der Stadt. Im Volksmund ist Goslar das „Rom des Nordens“, es hat nicht weniger als siebenundvierzig Kirchen, Klöster und Kapellen sowie eine kraftstrotzende Wehranlage mit 186 Verteidigungstürmen, eingebettet in einen mehrfachen Befestigungsring. Einige davon sind heute noch zu sehen, so zum Beispiel der „Dicke Zwinger“, der mit seinen sechs Meter dicken Mauern zu den gewaltigsten gehört, weil aus ihm heraus die Südflanke der Stadt und die Erztranporte aus dem Rammelsberg gesichert werden mussten. Warum man die Stadt mit seiner so aufwändigen Wehranlage schützen musste, liegt auf der Hand: Als klassische Stadt des aufblühenden Bürgertums treibt man in der ganzen Welt Handel mit den Erzprodukten aus dem Rammelsberg und hat deshalb auch eine Menge zu verlieren.
Huldigungsaal im Rathaus (etwa um 1520)
Ende des 18. Jahrhunderts kommt der Erzbergbau wieder einmal zum Erliegen, und die Stadt verarmt nicht nur, sie gerät fast völlig in Vergessenheit. Große Kirchenbauten, unter anderem die Stiftskirche St. Simon und St. Judas werden auf Abbruch verkauft, und die Stadtmauer muß zum großen Teil niedergelegt werden. Einem glücklichen Umstand haben wir es zu verdanken, daß das Königreich Hannover die Kaiserpfalz kauft und sich verpflichtet, die dringend notwendigen Renovierungsmaßnahmen durchzuführen.
Die Hohenzollern sind es schließlich, die im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts dafür sorgen, daß die Kaiserpfalz wieder völlig hergestellt wird. Der Reichssaal erhält vom Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie Hermann Wislicenus eine monumentale Wandbemalung mit wichtigen geschichtlichen Ereignissen aus der Zeit der Sachsen-, Franken- und Hohenstaufenkaiser. Heute ist die „aula regis“ Tagungs-, Empfangs- und Konzertsaal, etwa für den jährlich stattfindenden „Deutschen Verkehrsgerichtstag“ oder dem berühmten „Goslarer Pankett“.
Von den Kriegswirren blieb Goslar zum Glück verschont und so blieben uns Hunderte von Fachwerkhäusern aus der Zeit der Gotik, der Renaissance und des Barock erhalten. Von den Besitzern in liebevoller Arbeit sehr kostenaufwändig renoviert und das Fachwerk wieder wunderschön bemalt, sind sie lebendige Zeitzeugen einer mittelalterlichen Stadt, die bis zum heutigen Tag nichts von ihrem Reiz verloren hat.
Als im Jahr 1988 die Erzgruben des Rammelsberges nach über eintausendjährigem Betrieb ihre Förderung einstellen, geht in Goslar eine große Epoche des deutschen Bergbaus zu Ende.
Seit 1994 ist man stolz auf das von der UNESCO verliehene Prädikat „Weltkulturerbe“, das nicht nur die Anlagen des bereits mehrfach erwähnten Rammelsberges, sondern auch die gesamte Altstadt mit umfaßt. Wenn Goslar die besondere Zuneigung des Kaisers inzwischen auch nicht mehr genießt, ist die Verpflichtung der UNESCO, und somit der gesamten Menschheit, sich stets für den Erhalt dieser Stadt einzusetzen, hoffentlich noch lange ein Garant für den Schutz dieses Kleinods hochmittelalterlicher deutscher Baukunst.
Dieter Freesemann